Viele, die hören, dass ich in China einen Au-Pair-Dienst leisten werde, fragen mich direkt, wie ich denn darauf gekommen sei. China. Die meisten gehen in die USA, ein paar vielleicht noch ins europäische Ausland, nach Frankreich – aber China?
Ich weiß auch nicht wirklich, woher ursprünglich meine Faszination für dieses Land und allgemein den asiatischen Raum stammt. Aber schon früh interessierte ich mich für China. Einer der besten Beweise dafür ist das hier zu sehende Titelbild – eine von zwei Leinwänden, die bei mir schon seit neun Jahren im Zimmer hängen. Auch meine Fensterbilder (Window Colour) stellten statt Tieren und Blumen schon immer chinesische Schriftzeichen dar und jedes Mal, wenn wir etwas beim asiatischen Imbiss bestellten, versuchte ich, mit Stäbchen zu essen – egal wie lange das auch dauerte.

Vielleicht lag es daran, dass die Kultur und das Leben dort so stark von unserem abweicht, vielleicht daran, dass man in der Schule kaum etwas über dieses Land erfährt.
Als ich dann in der 11.Klasse einmal wieder wie so häufig vorm Lehrerzimmer stand und auf irgendeine Lehrkraft wartete, fiel mir dieser Flyer ins Auge: Au-Par in China. Ich klappte ihn auf, las mir die wichtigsten Informationen durch und sobald ich zu Hause war, begann ich zu recherchieren. Das Programm von starexchange klang wirklich grandios und ich schrieb der Verantwortlichen direkt eine Mail – natürlich war ich mit eineinhalb Jahren vor meiner geplanten Abflugzeit noch um einiges zu früh dran, aber – lieber zu früh, als zu spät. So konnte ich weit im Voraus und weitab von knappen Deadlines die Bewerbungen, Steckbriefe und Referenzen ausfüllen und einreichen – und schließlich auch schon im Juni, also acht Monate vor meinem Aufenthalt im „Land der Mitte“ eine Familie finden.

Ich wollte nach Asien, um mehr oder weniger unvorbereitet in eine ganz andere Kultur hineinzufallen. Um zu spüren, wie es ist, fremd zu sein, um Erfahrungen und prägende Erlebnisse zu sammeln, um nicht mehr ununterbrochen die Kleinste zu sein, was für mich einen interessanten Nebenaspekt darstellt 😉 und natürlich – um Mandarin zu lernen. Eine wahrlich faszinierende Sprache. Außerdem gefiel mir als bereits in Deutschland langjährige Nachhilfelehrerin und KinderCollege-Dozentin die Idee sehr gut, vor Ort den Kindern Englisch beizubringen und somit auch im pädagogischen Bereich meine Fähigkeiten auszubauen.
Also stand die Entscheidung sehr schnell fest – ab nach China.

Die Vorbereitungen umfassten zunächst das Einrichten von WeChat – eine Aleskönner-App, die im gesamten asiatischen Raum weit verbreitet ist. Sie vereint die Dienste von WhatsApp, Facebook, skype… sogar das bargeldlose Bezahlen ist damit überhaupt kein Problem. Die ersten Videogespräche und Interviews begannen. Vorstellungsgespräche und die Auswahl der Familie erfolgte, ich downloadete die ersten Sprachapps, um mir schon vor dem Betreten des chinesischen Festlands zumindest die Basics beizubringen. Zum ersten Mal hielt ich chinesisches Geld in der Hand, mit dem Gedanken, dass diese Scheine für mich bald normaler als der Euro sein werden, ich beantragte mein Visum und – versuchte mich soweit möglich um alle technischen Dinge zu kümmern, die unbedingt vor der Chinaeinreise getätigt werden müssen. Zum Beispiel ist es wichtig die Frage zu klären: Wie kann ich während meines Chinaaufenthaltes weiterhin mit meinen deutschen Freunden und Bekannten Kontakt halten? In einem Land, in dem Facebook, WhatsApp, skype, Youtube, GoogleDienste… staatlich streng abgebloggt werden? Das Einrichten eines VPNs ist unerlässlich, wenn man nicht sechs Monate auf all diese Plattformen und Dienste verzichten möchte. Das Erlernen des Mit-Stäbchenessens bekam ich leider zeitlich nicht mehr unter aber –  das wird mir sicher früher oder später in China schon irgendjemand beibringen.

Kaum zu glauben dass nach all den Vorbereitungen nun bereits in wenigen Stunden mein Flug vor der Tür steht. Aufgeregt bin ich überhaupt nicht. Vielmehr hat mich die Neugierde innerhalb der letzten Stunden noch mehr gepackt und ich bin gespannt sowie zuversichtlich, was mich in China alles erwarten wird.

 

 

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