Ein Katzensprung zur Straßenkunst – meine Erfahrungen beim Musicalprojekt „Cats“ in Köln von „Cotton Candy-Entertainment“

Meine Nase juckt, doch kratzen darf ich mich jetzt auf keinen Fall. „Du bist da weiß“ ist der einzige Kommentar, den ich auf der Rückfahrt im Zug höre. Haha, wie witzig. Ich rolle mit den Augen. Nun ja, aber wenn ich eben so Zug fahre, kann ich meinem Gegenüber auch nichts vorwerfen. Die anderen Menschen um mich herum blicken mich nur kurz verwundert an. Wahrscheinlich stempeln sie mich dann als verrückt, Tourist, der das Datum des Kölner Karnevals verwechselt hat oder Angehörige eines Kindergeburtstags ab und widmen sich wieder ihren Filmen oder Zeitschriften.
Ich befinde mich gerade auf der Rückfahrt aus Köln. Dort arbeite ich seit Anfang Juli an einem Projekt mit, bei dem wir das Musical Cats etwas abgewandelt einstudieren möchten. Initiatorin und Leiterin des Projektes ist Sabrina der CottenCandy-Entertainment. Bereits das Herstellen des aufwändigen Kostüms hat einige Zeit in Anspruch genommen und auch das Üben des richtigen Schminkens ging nicht gerade schnell, doch dann ist es endlich so weit. Ende Juli reise ich zum zweiten Mal nach Köln. Dort werde ich in mein Kostüm gesteckt, geschminkt und mit Perücke versehen. Gerade als Person, die sich zum letzten Mal auf einem Kinderfasching in der dritten Klasse verkleidet hat und es seitdem präferiert selbst auf Kostümparties und Karnevalsumzügen in normaler Alltagskleidung zu erscheinen, eine besondere Erfahrung. Wobei ich sagen muss, dass mir das Aussehen meiner Rolle, der Katze Victoria, deutlich mehr zuspricht als die irgendeiner Faschingshexe.

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Nach dem Schminken und Umkleiden, was bereits einige Stunden in Anspruch nimmt, machen wir uns auf den Weg in den nächstgelegenen Park um erste Tanz-, Turn- und Kletterfotoshootings durchzuführen. Alles wird in Foto und Video festgehalten. Bereits auf dem Weg in den Park werde ich von dem ein oder anderen Passanten interessiert gemustert. Ein älterer Herr bleibt sogar stehen und blickt mir nach, als wir uns auf den Weg zum Kinderspielplatz befinden. Auch dort werde ich mit meinem äußeren Erscheinungsbild zur Attraktion. „Was ist das?“ ist wohl eine der belustigensten Fragen, die ein Kind seinem Vater stellt. Und auch die anderen Kleinkinder wissen nicht so recht, ob sie sich mir eher nähern, oder von mir fernbleiben sollen.

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Beim zweiten Treffen geht es noch einen Schritt weiter. Gitarrespielend, singend und tanz-turnend mache ich mich in Begleitung von Kamerafrau und Projektleiterin in der Kölner Innenstadt breit. Den ganzen Morgen sammeln wir damit Spenden, bis es schließlich gegen Mittag zu regnen beginnt.
Tatsächlich ist diese Straßenkunst nicht nur ein Nebenprodukt des Musicalprojekts. Schon lange wollte ich selbst erleben, wie es ist, einen Hut vor sich liegend sein Können darzubieten. Ich wollte mindestens einmal – egal ob musikalisch oder sportlich – als Straßenkünstlerin Erfahrungen sammeln. Zum ersten Mal war mir diese Idee gekommen, als ich in der neunten Klasse während eines selbstorganisierten Schüleraustausches in Lyon jeden Tag nach dem Joggen die tolle Location des „Parc de la Tête d’or“ dazu nutzte, meine Turnübungen auch fernab meiner Trainingshalle weiterzuführen. Kein einziges Mal kam ich ans Ende meines Programms, ohne dass mehrere Personen stehen blieben und meine Übungen bestaunten, anfingen zu klatschen, oder nachfragten, ob ich ihnen nicht etwas beibringen könne. Warum nicht gleich einen Hut daneben stellen? Das zweite Mal hatte ich die Idee, als ich mich aufgrund eines verspäteten Zuges spontan an das freie Klavier in der Karlsruher Hauptbahnhofshalle setzte und nach den ersten Tönen mehrere Menschen ankamen, die mir zu meinem Talent gratulierten, oder mich gleich filmten. In der halben Stunde hätte ich da sicher auch einiges an Kleingeld einnehmen können.
Nun war es so weit. In drei Stunden an diesem Sonntagvormittag sammelten wir 24 Euro ein. Nun ja. Überleben könnte ich damit schon, auch wenn Straßenkünstler nach wie vor nicht gerade meinen Traumberuf darstellt.

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Dennoch ist es eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Einmal auf der anderen Seite zu stehen. Die andere Perspektive kennen zu lernen und einmal nicht diejenige zu sein, die durch die Innenstadt schlendert, die Musik nebenbei wahrnimmt, die von den Akkordeons und Gitarren erklingt, die die Straßenmusiker spielen und das ein oder andere Mal zu stoppen, wenn es eine Tanzattraktion zu sehen gibt. Zu oft wird die Musik ignoriert, oder man ist davon genervt, weil sie nicht dem eigenen Musikgeschmack entspricht, die eigenen Kinder werden weitergezogen, wenn sie vor einer weißen Menschenstatue oder zwei übereinander schwebenden Männern mit einer künstlichen Schlange in der Hand, stehen bleiben. Und manchmal muss man sich eingestehen, dass es vielleicht doch ganz nett ist, diese kleinen musikalischen und artistischen Kunstwerke immer wieder an verschiedenen Flecken in der Stadt aufblitzen zu sehen.
Es ist interessant zu erleben, wie die Menschen darauf reagieren, wenn man seine Pose verlässt und auf einmal anfängt auf dem harten Boden vorm Kölner Münster herumzuturnen. Die einen bleiben erschrocken stehen, die nächsten schießen begeistert Fotos und wieder andere schicken ihre Kinder zu dir, damit sie die Szene mit dir und Kind festhalten können. Auch begeisterte ältere Damen und Herren kommen interessiert an unser Plakat und informieren sich über das Projekt. Einer unter ihnen fragt sogar nach, ob ich ein aus Russland kommendes Schlangenmädchen bin. Und ganz niedlich ist auch ein Mädchen, das mit ihrer Oma auf dem Domplatz unterwegs ist und versucht, meine Übungen nachzumachen. Selbst die Reaktion von Hunden auf mich führte immer wieder zu Amüsement unter allen Umstehenden, denn einige wichen tatsächlich vor mir als verkleidete Katze zurück, oder begannen damit, mich anzubellen. Auch interessant war ein Junge, der etwa in meinem Alter sein musste und auf mich zu kam. Im ersten Moment war ich irritiert, entschied mich aber dann dazu, einfach starr sitzen zu bleiben und meinen Blick, der schräg an ihm vorbei zur anderen Straßenseite gerichtet war, nicht abzuwenden. Bei mir angekommen, steckte er mir ein 20Cent-Stück zwischen die Finger mit den Worten „Das ist echt cool, was du machst!“.
Tatsächlich machten mir die drei Stunden Spaß. Von Freunden, oder auf Freizeiten, bei denen ich einfach mein normales Training durchführte, bin ich es gewohnt, angestarrt zu werden, sodass diese Tatsache nichts Neues für mich darstellte und die Kommentare und Blicke waren eher zufriedenstellend und trieben zum Weitermachen an. Ich denke, besonders genießen konnte ich es auch, weil ich nicht auf die Einnahmen angewiesen war. Natürlich wollten auch wir Geld für unser Projekt sammeln – aber ich musste am Abend nicht die Münzen zusammenkratzen, um herauszufinden, ob an diesem Tag mein Verdauungstrakt das Vergnügen mit einer warmen Mahlzeit machen wird.
Man wird noch nicht einmal müde davon, und anstrengend empfand ich es auch nicht – aber irgendwann hat man es satt. Nach ein paar Stunden fallen einem selbst keine neuen Übungen und Kombinationen mehr ein und auch die Reaktionen, die Fotoposen und Nachfragen wiederholen sich. Von daher hatte ich schließlich auch keinen Grund dazu, den gegen Mittag aufkommenden Regen zu verfluchen. Festgehalten werden kann auf jeden Fall, dass ich diese Tätigkeit nicht tagelang von morgens bis abends durchführen könnte, ohne verrückt zu werden. Als eine dieser Statuen, die noch nicht einmal turnen, sondern stundenlang in einer Position verharren, wäre ich wahrscheinlich schon nach einem halben Tag kollabiert. Das Langeweilegefühl, das bei ihnen aufkommen muss, kann ich mir noch nicht einmal vorstellen.
Ganz spannend ist auch, dass man sich nach einer Weile vollkommen an sein Aussehen und die Schminke im Gesicht gewöhnt hat. Die Hand stockt ganz automatisch, wenn sie gerade kurz davor ist, sich irgendwo im Gesicht zu kratzen und man denkt auch daran, jedes Mal seinen Wollschwanz zu fassen, wenn man zu irgendwelchen spektakulären Figuren ansetzt, um ihn dabei nicht zu verlieren. Das führt sogar so weit, dass man sich teilweise wundert, warum andere Menschen einen so seltsam anstarren. Auf der Hinfahrt in die Kölner Innenstadt zum Beispiel brauchte ich – zu diesem Zeitpunkt noch ganz frisch geschminkt – einen Moment, bis ich realisierte, warum das kleine Mädchen und dessen Mutter unbedingt mit mir ein Selfie schießen wollten. Andererseits fällt einem aber auch wenn man abgeschminkt ist, noch eine Weile lang auf, dass manche Personen, etwas auffällig zu einem blicken und man nimmt es als ganz natürlich wahr – bis man sich daran erinnert, das man gar nicht mehr geschminkt ist.
Freuen kann ich mich auf jeden Fall schon jetzt auf die weiteren Termine in Köln und bin gespannt darauf, welche weiteren Erfahrungen ich noch sammeln werde.
Und nun zu euch:
Falls auch ihr Interesse am Schauspiel, Gesang und Tanz habt ebenso wie im Bereich der Kameraführung und des Filmschneidens und Lust darauf habt, an unserem Musicalprojekt mitzuarbeiten, meldet euch einfach bei mir. Ihr seid herzlich willkommen. Darüber hinaus sind wir auf der Suche nach Sponsoren und Unterstützen, die bei Interesse ebenfalls Kontakt zu mir aufnehmen, oder sich auf der CottonCandySeite umschauen können.

Was mich jetzt noch interessiert: Wie ist eure Meinung zu Straßenkünstlern? Sind sie euch eher lästig, ignoriert ihr sie einfach, oder überlasst ihr ihnen tatsächlich ab und an euer Kleingeld? Hat ihr selbst schon einmal etwas auf der Straße vor unbekanntem Publikum aufgeführt?

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