Familienleben und Straßenpflege in China – was uns Deutschen wirklich seltsam vorkommt

Besonders seltsam oder besser gesagt einfach anders als in Deutschland, sind im chinesischen Familienleben nicht nur das Essen und die Tischmanieren. Erstaunlich finde ich, dass die Chinesen immer noch nicht auf Spülmaschinen umgestiegen sind. Selbst in einem vier-Personen-Haushalt wird alles von Hand abgewaschen. Dies führt auch dazu, dass man an Festtagen, oder bei Besuchen, was bei meiner Familie aufgrund des engen Kontakts zur Familie der Schwester meiner Gastmutter, mindestens einmal die Woche vorkommt, eine Stunde lang in der Küche steht, nur um das Geschirr zu waschen. Ganz langsam scheinen aber auch Spülmaschinen populärer zu werden, was ich auf meine erstaunte Nachfrage hin in Erfahrung bringe. So wirklich Vertrauen in diese haben viele Chinesen aber noch nicht. Wird das Geschirr darin denn auch wirklich sauber?
Waschmaschinen sind in den meisten Haushalten bereits seit einigen Jahren Gang und Gäbe – aber: Achtung: Unterwäsche darf nicht in der Maschine gewaschen werden. Selbst nicht, wenn wie in meiner Familie, ein extra Desinfektions- und Reinigungsprogramm in den Waschmaschineneinstellungen existiert. Nun ja – da bliebt mir eben nichts anderes übrig, als dies zu akzeptieren und die sechs Monate lang meine Unterwäsche von Hand zu reinigen.
Eine weitere Besonderheit: Chinesen, oder zumindest in Chongqing Lebende lieben es, alles mit Wasser zu reinigen. Das bedeutet, dass meine Gastmutter jeden zweiten Tag, die Wohnung mit einem nassen Wischmopp reinigt. Aber NUR mit diesem nassen Wischmopp. Sprich – ein vorhergegangenes Durchsaugen, oder auch nur ein einfaches Aufkehren des umherliegenden Drecks ist nicht vorgesehen. Dies ist besonders aufgrund der Tatsache, dass die Familie einen Hund besitzt und dessen Haare überall in der Wohnung verteilt sind, etwas unappetitlich. Denn mit einem Wischmopp wird der Dreck nicht wirklich entfernt, sondern nur in ein Feuchtigkeitsbett eingelagert und im Raum umverteilt – ob das wirklich das Wahre ist? Mein Zimmer kann ich wenigstens regelmäßig durchfegen. Auf Nachfrage erfahre ich, dass die Familie sogar einen Staubsauger besitzt, meine Gastmutter diesen aber nicht leiden kann – warum auch immer.
Vielleicht mögen Chinesen einfach die Wasserreinigung ganz besonders gerne. Dieser Eindruck findet zumindest auf den Straßen seine Bestätigung. Während in Deutschland sowohl im Haus, als auch Außerhalb eher auf Luft gesetzt wird, werden hier die Straßen zur Reinigung regelmäßig von den Arbeitern mit einem langen Gartenschlauch abgespritzt. Der Deutsche geht im Herbst mit dem Laubpuster oder dem Besen vor die Tür, die Chinesen fahren mit ihrem Wasserequipment auf. Sieht man in China also nasse Straßen, dann weiß man nie sicher, ob es in der Nacht nun geregnet hat, oder die Reinigungsagentur eine Frühschicht eingelegt hat. Dies ist auch ein besonderer Punkt für China: Man sieht viel mehr personelle Arbeitskräfte auf den Straßen. Was China und Afrika hierbei gemein haben ist, dass viel weniger als in Deutschland Maschinen zum Einsatz kommen. Bei der Landwirtschaft ebenso wie in der Stadtpflege – ist auch verständlich. Irgendwie müssen die vielen Einwohner ja beschäftigt werden. So sieht man auf den Straßen sowie im Supermarkt wirklich auffallend viele Arbeiter. Ab und an wirken ihre Tätigkeiten wirklich eher wie Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen. So sitzen in Kartenverkaufshäusern an Touristenorten z.B. immer drei Personen: eine zum Kassieren, eine um das Ticket einzureisen und eine, die die automatische Drehkreuzöffnung betätigt. Während eines Spaziergangs im Park begegnet man nicht selten mehr Parkwächtern, die sich unterhaltend in der Gegend herumspazieren, oder genauestens die Pflanzen im Teich betrachten, als man Parkgäste entdeckt. Und auch bei der Anlagenpflege der Community, in der ich lebe, kann ich jeden Tag besonders ältere Menschen sehen, die sich durch das Millimeterabschneiden der Büsche oder das Herumstehen neben einem anderen Arbeitenden, der gerade den Boden abspritzt, ihren Unterhalt verdienen.

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