Moskau- und Chongqingtourist – alles in einem Monat

Links ein mit Lebensmitten überfülltes dreirädriges Transportfahrzeug, rechts ein Riesenauto ähnlich dem in dem ich mich gerade befinde, vor uns ein kleiner Silberner. Ich sitze mal wieder mitten im Stadtverkehr von Chongqing fest. Doch ich bin nicht alleine. Neben mir haben meine Eltern auf der Sitzbank Platz genommen, am Steuer sitzt mein Gastvater, daneben seine Frau – und hinter uns turnen auf den beiden Zusatzsitzen meine zwei Gastschwestern – Full Car also.
Doch wohin sind wir unterwegs? Das wissen wir am Anfang auch nicht so ganz – die einzige Information: zum Abendessen. Abgeholt wurden wir dabei von meiner Gastfamilie. Meine Eltern haben erst gemeinsam mit mir die allsamstägliche Chorprobe besucht und sind nach einiger Zeit ins Technikmuseum weitergegangen, meine Gasteltern kommen von zu Hause aus. Nun haben wir es in rekordverdächtigen 40 Minuten geschafft, 5 Kilometer zurückzulegen. Es ist unglaublich, wie dicht der Verkehr um 18 Uhr eines Samstagabends ist. Wir steigen auf einer Brücke aus, um ein paar Fotos zu schießen und lassen uns am Ende dieser wieder vom Auto einsammeln. So können wir wenigstens einmal durchatmen.

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Gegen 21 Uhr kommen wir endlich an – und die quälende PKW Sitzerei hat sich wirklich gelohnt. Denn inzwischen warten wir in einem der berühmtesten Hot-Pot-Zentren in Chongqing auf unser Essen. Direkt an einem großen Teich mit Seerosen und voller Beleuchtung. Wirklich eine schöne Abendatmosphäre, wie auch meine Eltern finden. Doch was machen die beiden eigentlich hier in China?
Sie waren zuvor noch nie nach Asien gereist und so ließ sich eine Rundreise in Südchina sehr gut mit einem Besuch bei mir verknüpfen. Kurz bevor sie am Montagabend wieder in den Flieger nach Deutschland steigen werden, schauen sie also bei mir für einen Viertagesabstecher vorbei. Zum einen ist es sehr interessant, die unterschiedlichen Erfahrungen auszutauschen. Schließlich haben wir zwei vollkommen unterschiedliche Perspektiven zu China bekommen. Ich habe mehr den Alltag einer chinesischen Familie erfahren, während sie den touristischen Überblick erhalten und viele unterschiedliche Orte und Landschaften zu sehen bekommen haben. (In diesem Artikel mehr)
In den gemeinsamen Tagen hier mutiere ich nun auch zur Touristin. Meine Gastmutter bringt uns netterweise zu den Sehenswürdigkeiten, die sie in der Region als besonders wichtig einstuft, sodass wir Wandskulpturen, Tempel und Festungen begutachten und uns das ein oder andere Mal im asiatischen Touristenstrom wiederfinden.
Doch die vier Tage, die ich mit meinen Eltern verbringe, machen schließlich nicht den gesamten Monat April aus. Ich startete in diesen vierten Monat des Jahres nämlich gar nicht in China, sondern in Russland. Nach wirklich vielen Schwierigkeiten und viel Arbeit und Nerven, konnte ich mit meinem Russlandvisum am 31.03 endlich in den Flieger steigen. 29 Stunden war ich aufgrund langer Umsteigezeiten unterwegs, bis ich schließlich in Moskau ankam. Dort verbrachte ich acht Tage im Rahmen eines Physikwettbewerbs: dem IPT, Internationale Physicists‘ Tournament. Gegen 18 Nationen trat dort das deutsche Team an, für das ich mich als Teilnehmerin im vergangenen November bei der nationalen Auswahl, dem GPT, German Physicists‘ Tournamet qualifizieren konnte. Am Moskauer Flughafen traf ich also auf die anderen fünf Teilnehmer meines Teams, bei denen es sich allesamt um begabte Physikstudenten handelt. (Von meinem Russlandaufenthalt könnt ihr hier mehr Details erhalten)

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Vor der Moskauer Universität am Sightseeing-Tag

Vor Ort erlebte ich dann eine superinteressante und physikgefüllte Woche – auch ein wenig Sightseeing in der Moskauer Innenstadt durfte nicht fehlen, sodass ich das Leninmausoleum besichtigen konnte, einen Spaziergang durch den Kremel machte, den Roten Platz bewunderte und eine Führung durch das Cosmomuseum erhielt.
Zwischen meiner Rückkehr aus Russland und der Ankunft meiner Eltern stieg ich anschließend wieder voll und ganz in den chinesischen Alltag ein. Das Erteilen des Englischunterrichts mit meinen beiden Gastschwestern ging weiter, ich erlebte den Ablauf eines englischen Sprachwettbewerbs hier in China, und begann in einem chinesischen Fitnessstudio zu trainieren. Besonders die Tanz- Kampfsport- und Yogakurse, bei denen ich natürlich keine der Anweisungen verstehen kann, sind wirklich sehr spaßig und nicht selten werde ich von Mittrainierenden oder den Anleitenden um ein gemeinsames Foto oder meinen WeChat Kontakt gebeten.
An der Universität überraschte uns schließlich vergangene Woche unser Lehrer einen Tag im Voraus mit einer anstehenden Prüfung, von der er selbst bis zu diesem Zeitpunkt nichts wusste, sodass den verbleibenden Nachmittag speed-learning angesagt war. Das nenne ich mal chinesisches Organisationstalent. Aber diese spontanen Mitteilungen und Planänderungen bin ich bereits von meiner Gastfamilie gewohnt.
Soweit von mir.

Viele Grüße aus China und bis in den nächsten Monat eine schöne Zeit.

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