„Mountain Climbing“ – was Chinesen darunter verstehen

Coco hebt ihr Bein und platziert es auf dem Holzgeländer. „I can’t do this!“ meint sie lächelnd und gibt ihr Ziel, meinen Spagat nachzuahmen, auf. Dann lieber doch weiterwandern.
Wir befinden uns gerade auf dem Abstieg unserer sonntäglichen „Wandertour“. Während vor einer Woche bei unserem ersten Ausflug noch die Sonne auf uns schien, werden wir heute von einem Regen begrüßt. So richtig überraschend kommt das nicht, denn bereits am Morgen lag der Nebel in der Luft und wir haben uns überlegt, ob wir überhaupt losziehen sollen. Und doch war es die richtige Entscheidung. Schließlich sind es keine großen, schweren Tropfen, die auf uns herunterregnen, sondern es handelt sich vielmehr um einen Nieselregen, der meines Erachtens sehr gut zu der Umgebung passt und eine tropische Stimmung aufkommen lässt. Die Landschaft heute gefällt mir fast noch besser, als bei der ersten Route vergangener Woche.

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Ganz oben auf dem Gipfel sind wir vor wenigen Minuten an einigen alten Steinkunstwerken angekommen. Beeindruckende Gestalten sind in die Steine gemeißelt und in der Mitte eines Platzes sind hohe Säulen im Kreis aufgestellt. Sie repräsentieren jeweils eines der Dörfer in dieser Region und tragen die Symbole des jeweiligen obersten Chefs zu der damaligen Zeit, wie mir mein Gastvater einiges Hintergrundwissen vermuttelt. Interessant.
Das, was wir gerade machen, bezeichnen die Chinesen stets als „Climbing Mountain“ was mich doch etwas irritiert. Denn es handelt sich dabei keineswegs um richtiges klettern, sondern eher um eine Art Wandern. Doch während wir deutschen uns auf grünen und steinigen Pfaden aufmachen, die Bergspitze zu erklimmen, so bedienen sich Chinesen lieber Treppen. Es ist wirklich unglaublich, wie viel Beton sie in die Berge hineingebaut haben. Es ist recht schön gemacht und mir gefallen die Pfade, die durch das Dickicht führen, aber gleichzeitig finde ich es schade. Denn durch all die Treppenstufen und die Betonplatten, die selbst dann in den Boden eingelassen sind, wenn der Weg eben verläuft, wirkt alles furchtbar künstlich.


Das Wetter hat heute noch einen anderen Vorteil: die Pfade sind leerer. Vergangene Woche konnte man fast schon mehr chinesische Familien als Bäume sehen, sodass ich die Überschaubarkeit an diesem Berg und am heutigen Tag noch einmal mehr genieße
Chinesisches Picknick
Was machen Chinesen, wenn sie um die Mittagszeit herum noch unterwegs sind? Chinesen glauben, Bauchweh davon zu bekommen, kalt zu essen und meine Gastmutter hat das Gefühl, von kalten Speisen nicht gesättigt zu werden. Daher ist Picknicken nicht so ganz die Lieblingsbeschäftigung der Chinesen. Am Anfang der Wanderpfade gibt es stets noch Stände, die Kleinigkeiten grillen oder Nudelsnacks zubereiten, weiter oben ist man dann aber doch auf die Eigenverpflegung angewiesen. Und daher erlebe ich bei meinem ersten „Mountain Climbing“ Ausflug tatsächlich ein Picknick chinesischer Art. Ausgepackt werden Tofu- und Fleischstückchen, kleine Eier und in einer scharfen Sauce zubereitete Bohnenschoten. Jeweils einzeln in – ihr dürft raten – Plastiktüten verpackt. Sieht wirklich lecker aus, doch – wie soll man das nun essen? Meine Frage bleibt nicht lange unbeantwortet, denn kaum ist die Picknickdecke ausgebreitet und die Essenstüten serviert, wird mir ein Plastikhandschuh gereicht. Aha. Diesen ziehen sich nun alle über eine ihrer Hände und beginnen so ausgestattet in den Tüten herumzupicken. Mit Plastik ausgekleidete Finger dienen also als Stäbchenersatz.

Zusammenfassend finde ich doch Freude daran, ab und an mit der Familie zu einer „Mountain Climbing“-Tour in die Natur aufzubrechen. Und Kinder wie auch Hund sind auch immer mit Spaß dabei! Mal sehen wie häufig wir dazu noch Zeit finden werden, bevor der Sommer anbricht und wir es bei 45°C und einer Luftfeuchte, bei der es sich kaum mehr atmen lässt, es doch lieber vorziehen, zu Hause zu bleiben.

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