Über Kopf Entspannen – zum ersten Mal FlyYoga

Tag 5
Wenn ich mich mit Lia Kim verabrede, ist das irgendwie immer automatisch mit einem „Suchfluch“ belegt. So kommt es, dass ich auch an dem heute erst einmal einige Minuten lang durch die Gegend irre. Dieses Mal weitet sich das auf insgesamt eine Stunde aus. Ich komme aufgrund meines ladenden Laptops ohnehin schon spät los. Dann laufe ich erst einmal in die komplett falsche Richtung. Nach dem Umdrehen habe ich an der nächsten Riesenkreuzung keinen blassen Schimmer und versuche durch Austesten verschiedener Richtungen und immer wieder Abchecken meines neuen Standorts irgendwie auf die richtige Fährte zu gelangen. Dass die Angaben bei den chinesischen Navigationsapps nicht zuverlässig sind, musste ich bereits mehrmals genervt zur Kenntnis nehmen und so springt auch heute der Pfeil meines angeblichen Standorts verwirrend auf dem Handydisplay hin und her. Die größte Schwierigkeit dabei ist mein Ziel selbst, denn ich suche nicht etwa ein Fitnesszentrum, das ich von außen gut erkennen könnte, sondern der Yogakurs, den ich besuchen möchte, findet in einer Wohncommunity statt. Und davon gibt es in Xi’an hunderte gleichaussehende.
Als ich dank netter Passanten schließlich wenigstens den Bezirk gefunden habe, wandle ich in diesem noch einmal zwanzig Minuten umher18, 5, 12 … wo um alles in der Welt ist bitte das Haus mit der Nummer 10?
Kopf über hänge ich schließlich eine Stunde nach dem Verlassen von Yangweis Wohnung in einem Tuch, das in Schleifenform von der Decke hängt. Nachdem die obligatorischen Bilder gemacht sind, wickle ich mich wieder aus und Lia Kim zeigt mir eine neue Position. FlyYoga nennt sich diese Unterart des Entspannungssports, und ich habe heute die Gelegenheit, dies zum ersten Mal auszuprobieren. Meist erster Eindruck ist ganz gut.


Im Anschluss daran geht es mit dem Bus zwei Stunden lang ans andere Ende der Stadt. Dieses Mal für einen Flow Yoga Kurs mit drei Angestellten einer Telekommunikationsfirma. Nach dem ungeduldigen Warten, bis endlich ein Meeting in unserem eigentlichen Yogaraum beendet wird, lerne ich nun eine Yogachoreographie, die als eine Art Tanz auch auf der Bühne Potenzial hätte.
Bibliothek und Massage – ein toller Nachmittag
Es ist wirklich ein tolles Gebäude und auch die Statuengruppe auf dem Platz nebenan ist beeindruckend. Sie fällt mir sofort ins Auge, nachdem ich aus dem Bus aussteige. Mit einigen weiteren in Chongqing kennengelernten Trainern unterhalte ich mich am Nachmittag nicht nur beim Kaffeetrinken, sondern wir besuchen auch gemeinsam die Bibliothek in dem beschriebenen schönen Gebäude und greifen uns dabei englische sowie chinesische Bücher heraus.
Eine Massage, die mich dieses Mal nicht umbringt, sondern vom Druck her noch im angenehmen Rahmen liegt, geht meiner Hauptbeschäftigung in Xi’an voraus: Ein Regenspaziergang ohne Regenschirm bis zum Gym.
Tischtennislehrerin – wusste gar nicht, das ich das kann

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Das Grinsen der beiden Kinder auf dem Foto kann nur zu einem gewissen Grad ausdrücken, welchen Spaß wir die zwei Stunden über haben, die wir zu dritt an der Tischtennisplatte verbringen. Eigentlich hatte ich mir nur kurz das Schwimmbecken von oben anschauen wollen, da fiel mir beim Zurücklaufen ein Junge auf, der einsam vor der Tischtennisplatte den kleinen weißen Ball nach oben warf und versuchte auf seinem Schläger zu bouncen. Ich zögere einen Moment, dann aber sprach ich ihn an. Tischtennis hatte ich schließlich schon lange nicht mehr gespielt und beim BodyJam würde ohnehin die gleiche Choreographie auf mich warten, die ich schon zwei Mal mittrainiert habe und inzwischen selbst als Trainer anleiten kann. Ein Grinsen breitet sich auf dem Gesicht meines Gegenübers aus, als ich ihn schließlich in meinem besten Chinesisch ums Mitspielen bitte. Das reicht als Antwort, ich schnappe mir also den Schläger, der auf meiner Tischhälfte liegt und es kann losgehen.
Wir haben so ziemlich dasselbe Niveau. Ab und an passieren uns peinliche Fehler, ab und an trifft ein Schmetterball so geeignet ein, dass unser Gegenspieler keine Chance hat, diesen zu bekommen. Das Mädchen, das zunächst neben der Platte steht und etwas schüchtern zuschaut, gliedere ich irgendwann mit ein und beginne meine erste Stunde als Tischtennislehrerin. Ich spiele jeweils einem der beiden die Bälle zu und sie müssen mir diesen auf eine bestimmte Seite oder mit einer bestimmten Geschwindigkeit zurückspielen. Das Mädchen ist vollkommene Anfängerin und freut sich , wenn sie den Ball überhaupt irgendwie mit ihrem Schläger berührt. Ihr zeige ich mehrmals wie sie den Schläger halten soll und erkläre, in welchem Moment sie den Ball am besten trifft. Trotz des unterschiedlichen Niveaus haben wir alle Drei Spaß. Die an mich zurückgespielten Bälle kommentiere ich stets mit „Feichang bang!“, „Hen hao“ und „Lihai“ was soviel wie „sehr gut“ „stark“ „super“ bedeutet, oder ich schüttle meinen Kopf ein wenig und gebe mit Handbewegungen zum Ausdruck, dass mein Gegenüber das ganze lieber noch einmal wiederholen soll.
Als die Eltern hinzustoßen, werden sofort begeisterte Videos und Fotos gemacht und die Kinder werden dazu aufgefordert mit den Standardsätzen und -fragen ihre Englischkenntnisse unter Beweis zu stellen.

Spontantanz – auch einmal außerhalb des Fitnessstudios austoben
Die Lichter und die Livemusik locken schon von weitem an. Wir – das Dreierpack aus Yangwei, seiner Freundin und mir, ignorieren all das jedoch zunächst und steuern stattdessen geradewegs auf das Kino zu. Als wir davor stehen, kommt uns die erfreuliche Erkenntnis: wir haben uns vertan und der Film startet erst in einer Stunde. Also – nichts wie die wenigen Meter zurück und zu der kleinen Bühne, auf der eine internationale Liveband spielt: Percussionist aus Togo, zwei Instrumentalisten aus der Ukraine, eine Sängerin aus England… wir stellen uns in die Zuschauermenge und es dauert nicht lange, bis wir Moves auspacken und uns gegenseitig zum Tanzen anstiften. „Geht in die Mitte, geht nach vorne“ werden wir von einigen Zuschauern nicht nur bei dieser aufgefordert, sondern auch bei der nächsten Band, die dieses Mal rein chinesisch ist, und zu der wir wandern, als die erste pausiert. Doch gerade als wir es in Erwägung ziehen, dieser Bitte nachzukommen, macht uns Yangweis Freundin auf die Zeit aufmerksam und schleppt uns ins Kino.
Den Kinosaal haben wir, wie ich es in China inzwischen gewohnt bin, fast vollkommen für uns alleine. Das macht den 3 D Film, den ich über mich ergehen lasse, aber auch nicht besser. Ich als ohnehin nicht großer Kinofan bin nur ab und an von Dokumentarfilmen oder Spielfilmen, die auf wahren Begebenheiten beruhen, zu begeistern, sodass mich der gerade vor mir laufende Actionfilm sehr langweilt. Deprimiert vom Hollywoodfeuerwerk ohne wirklichen Inhalt, setze ich mich nach Ankunft des Taxis vor der Haustüre noch ein paar Stunden an den Laptop, obwohl das Datum auf meinem Rechner schon den nächsten Tag ankündigt. Macht nichts, wie ich Yangwei kenne, wird dieser ohnehin wieder bis zum Mittagessen ausschlafen.

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