Vom ersten Mal chinesisches Zugfahren bis hin zur Chongqinger Hitze

Nun melde ich mich zum letzten Mal aus China. Um euch eine Zusammenfassung über den August zu geben, werde ich tatsächlich schon wieder in Deutschland zurück sein. Denn Mitte des 8. Monats geht es für mich nach einem touristischen Abstecher in Peking nach Serbien, um zehn Tage lang bei einem Freiwilligenprojekt zu helfen und danach heißt es mit dem Bus ab zurück auf deutschen Boden. Dort warten bereits eine Menge neuer Seminare und Projekte auf mich, sodass einem Aufkommen von Langeweile weit vorgebeugt ist. Jetzt wird der Blick aber erst einmal auf den vergangenen Monat gerichtet.

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Steinerne Grabbeschützer und Sissi in China
Die ersten neun Tage des Monats verbringe ich in Xi’an: eine kulturell und geschichtlich sehr interessante Stadt. In zwei Über-Nacht-Fahrten hin und zurück lerne ich das chinesische Zufahren kennen, das mit Sicherheitskontrolle und Boarding tatsächlich mehr an den deutschen Flugverkehr als an das Vorgehen an deutschen Bahnhöfen erinnert. Die Sitze sind zumindest in meinem Abteil der niedrigsten Preisklasse auffällig schmal, ich schaffe es aber trotzdem ganz gut zu schlafen. Als bequeme Alternative hätte ich auch den High-Speed-Train nehmen können, der mit seinen vier Stunden nicht einmal mehr die Hälfte der Dauer benötigt, wie mein Wackelzug, aber dann hätte ich viel weniger Zeit dazu gehabt, meine bisher erworbenen Chinesischkenntnisse auszutesten, denn wie ich es schon von Chongqing gewohnt bin, möchte sich auch im Zug natürlich jeder mit mir unterhalten.
In Xi’an selbst besuche ich obligatorisch die Terracottaarmee, die in Größe und detaillierter Ausführung wirklich beeindruckend ist. Eine riesige Fläche an fein ausgearbeiteten Kriegern und Pferden bewacht dort das Grab von Qin Shihuangdis, der erste Kaiser Chinas. Als besonderes Highlight wurde einige hundert Meter von der eigentlichen Grabstätte inzwischen ein 3D-Event mit Abenteuerbahn und Ausstellungsbereich errichtet. Etwas sehr künstlich – typisch chinesisch eben – aber doch ganz interessant. Am Tag zuvor habe ich bereits das nicht weniger berühmte Shaanxi-Museum besucht, in dem ich als Highlight auf eine Sonderausstellung über die Geschichte Ungarns und Sissis stoße – interessant heimische Ausstellungsstücke und Gemälde so weit entfernt von Europa vorzufinden.
Die Stadt an sich ist ganz nett, unterscheidet sich aber abgesehen von der geringeren Größe nicht sonderlich von Chongqing. Der Hauptunterschied: es ist alles flach, sodass sogar die Chinesen hier Fahrradfahren. Dabei gibt es ein wirklich gutes Ausleihsystem mit öffentlichem Fahrradnetz. An den Abenden kann ich entweder die beleuchteten Straßenlandschaften bewundern, oder genieße die Wasserfontänenshow vor der Wild Goose Pagoda.
Meine Gastfamilie verbringt diese Zeit in Australien, sodass ich währen Xi’an ununterbrochen Sprachnachrichten und Fotos erhalte und meine Pflichten als Englischlehrerin natürlich auch in diesem Zeitraum nicht vernachlässigen darf.
Von den Tätigkeiten als „große Schwester“ – anstrengend und doch auch Spaß bereitend
Insgesamt stellt der Trip eine nette Abwechslung dar und – ich feiere mit ihm meine Prämiere im Alleine auf chinesischem Boden reisen. Nach meiner Rückkehr nach Chongqing geht nun die 24 Stunden Betreuung meiner Gastschwester weiter. Schließlich hat diese Ferien und daher bin ich den ganzen Tag mit Englischlernen, Englischbücher lesen, Yoga oder Tanzen beibringen, Singen, auf dem Spielplatz spielen, Zeichnen… beschäftigt. Auf Dauer ist das doch etwas anstrengend, aber ich lasse mir immer etwas Neues einfallen, um wenigstens zu vermeiden, dass ich mich zu schnell langweile.
Dabei hilft ein Ausflug der Organisation über die ich in China bin. Es geht zu den Dazu Rock Carvings. An dieser Samstagsexkursion finde ich nicht nur die Steinkunstwerke samt deren kultureller und religiöser Hintergründe interessant, sondern zudem den Austausch mit den anderen Au-Pairs, von denen in den letzten drei Wochen vier aus Deutschland und eine aus Norwegen hinzugekommen sind.
Auch mit der Familie darf ich ab und an das Haus verlassen. So gehen wir raften, besuchen das Kino oder gehen „Wasserspielen“ was sich als Besuch einer Wasserrutschanlage samt Wellenbecken herausstellt. Besonders schön wird ein Wochenendausflug im Zuge dessen wir über Felsen und eine gläserne Brücke laufen. Ich genieße dabei besonders die Landschaft: beeindruckende Berge, Schluchten und Wasserfälle: endlich wieder mehr Natur als im innerstädtischen Chongqing!
Dauersaune in der Innenstadt
Bevor ich euch nicht von der Hitze berichtet habe, darf diese Zusammenfassung einfach nicht enden. Schließlich ist das Sommerwetter Chongqings genau das, wovor ich schon vor meiner Ankunft ausführlich von allen Seiten gewarnt worden bin. Angenehm ist das Wetter hier im Juli wirklich nicht, das stimmt. Zu der hohen Luftfeuchte kommen inzwischen Temperaturen bis 42°C hinzu. Mir macht das kaum etwas aus und die Hitze sowie Schweiß kann ich gut ertragen – doch die Chinesen lassen sich dadurch enorm einschränken und gehen kaum in nicht-klimatisierte Gegenden. Das führt dazu, dass im Sommer die Häuser voll und die Straßen ungewohnt leer sind. Das einzige, was auch ich schwer auszuhalten finde: es kühlt noch nicht einmal am Abend oder frühen Morgen ab. Stoßlüften, wie ich es in Deutschland gewohnt bin, bringt hier also nichts. Auch die Trockenheit fällt mir auf. So hat es bis Ende des Monats seit meiner Rückkehr aus Xi’an kein einziges Mal geregnet. So trocken habe ich es selbst in meinem Heimatdorf in Süddeutschland noch nicht erlebt.

Das nächste Mal dann also wie bereits angekündigt eine Mischung aus den letzten beiden Wochen Chongqing, einigen Tagen Peking und meinem ersten Mal in Serbien. Schöne Tage euch bis dahin und alle Gute!!

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