Von Bustouren, 30 interessanten Minuten im Kreml, und dem Besuch des Cosmo-Museums – Das Rahmenprogramm des IPT 2018

Der Freitag ist dazu vorgesehen, dass die Teilnehmer von Moskau nicht nur Uniräume in Erinnerung behalten, sondern sich auch ein wenig in der Innenstadt umsehen können. Während einige in der Nacht etwas übertrieben haben, sodass sie es vorziehen, wenigstens den Morgen des Ausflugstages zu verschlafen, geht es für das deutsche Team direkt nach dem Frühstück mit der Straßenbahn los zum Abholpunkt des gebuchten Touristenbusses. Mit diesem klappern wir ausgestattet mit einer Reiseleiterin die wichtigsten Sehenswürdigkeiten Moskaus ab: die Christ-Erlöser-Kathedrale, ein Aussichtspunkt mit idealem Blick über die gesamte Stadt direkt gegenüber der berühmten Moskauer Universität, die Stadien der Olympischen Spiele… Die Tour endet am Roten Platz, an dem wir nicht nur zum Mittagessen das riesige Kaufhaus, das sich direkt gegenüber des Kremls befindet, von innen kennenlernen, sondern auch das obligatorische Postkarten-Gruppenfoto vor der Basilius Kathedrale schießen können. Das Wetter ist wirklich ideal und wir können uns bei den recht frischen Außentemperaturen alle über Sonnenstrahlen freuen.

Es folgt, wenn auch ein sehr kurzer – Aufenthalt im Kreml. Eine 200t schwere Glocke sowie eine Kanone, die ein Viertel davon wiegt, können besichtigt werden und ich werfe auch einen Blick in das Innere einiger der Kathedralen. Das Regierungsgebäude dürfen wir leider nur von außen betrachten und dürfen Putin von dort aus zuwinken. Danach fahren wir an einigen der wunderschönen U-Bahnstationen vorbei, bis wir schließlich beim Cosmo-Museum ankommen, in dem uns nach dem umfangreichen Security Check-In eine Führung erwartet. Von den ersten Raumanzügen über Hunde im All bis hin zur heutigen ISS lassen sich ausreichend Fotografien, Filmsequenzen und Modelle sowie Originalausstellungsstücke bewundern und in mir wächst erneut der Wunsch, auch eines Tages als Astronautin ins All zu fliegen (siehe auch: Vielleicht doch Astronatin?).

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Cosmomuseum

Nach dem Museumsbesuch splittet sich die Gruppe. Wir Deutschen tun uns mit einigen Dänen, Italienern, Griechen und Polen zusammen, und unterhalten uns mit ihnen bei einem Spaziergang in einen nahegelegenen Park sowie einem abendlichen Dinner in einem russischen Café.
Samstag – das Finale
Die vorgegebenen zehn Minuten sind bald um. Das Publikum sowie die Jurymitglieder starren gespannt auf die drei Aufbauten am vordersten Tisch des Hörsaals. Doch nichts passiert. Keines der Teams hat den ersten Teil des Captain’s Fight an diesem Samstagvormittag als Start in das Finale für sich entscheiden können. Die Aufgabe: Mithilfe flüssigen Stickstoffs einen Luftballon nach so exakt wie möglich, aber nicht mehr als zehn Minuten zum Platzen bringen. Erst drei Minuten nach Ablauf der Zeit gibt der schweizer Ballon einen lauten Knall von sich, was dem Team nun jedoch lediglich lauten Beifall einbringt, nicht jedoch den Gewinn. Denn als Alternative zum gescheiterten Experiment sind die drei Teamleader inzwischen schon zur Bearbeitung der theoretischen Aufgaben übergegangen. In den letzten Tagen fanden sich darunter bereits die Berechnung der Größe eines schwarzen Loches im Magen jeden Russen, das die gesamte in einem Jahr konsumierte Wodkamenge absorbieren kann und die prozentuale Flächenbedenkung, wenn man alle russischen Einwohner nebeneinanderstellen würde. Da es zu der Frage, wie viele Kaffepausen notwendig wären, um mit der in den Lebensmitteln steckenden Energie den russischen Strombedarf zu decken, keine vorher bestimmte Lösung gibt, entscheidet schließlich das Abfragen russischer Physiker über den Captain’s Fight Gewinner. Dieser darf nun aussuchen, an welcher Stelle er die Reihenfolge auswählen möchte, in der das Finale heute ablaufen soll.
Das Finale zieht sich bis in den Nachmittag und doch sind die meisten Zuhörer noch lange nicht gelangweilt, als sie schließlich gegen 15 Uhr zum Mittagessen schreiten, denn es war wirklich interessant. Am Nachmittag folgt noch die Abschlusszeremonie mit Siegerehrung bevor es zur Krönung der Veranstaltung zu einem ganz besonderen Abschlussdinner geht. An das leckere Essen schließt sich ein gemeinsames Musizieren und Tanzen an, in dem alle Landessprachen einmal gehört werden.

Lilith alleine? In Moskau
Sonntag, 08.04. 6 Uhr. Das deutsche Team macht sich auf den Weg zum Flughafen und ich verabschiede mich mit der Bitte meinem Heimatland von mir Grüße auszurichten (; Mein Plan den letzten Tag in Moskau noch sinnvoll zu nutzen: beim Frühstück irgendwelche Teams auskundschaften, die heute Abend am selben Flughafen abfliegen wie ich und mit ihnen den Tag verbringen. Dieser Plan geht tatsächlich schneller auf, als ich gedacht habe, denn als ich mich um kurz nach acht Uhr gerade für ein letztes Mal am Frühstücksbuffet bediene, begegne ich dem Teamleiter der polnischen Gruppe, mit dem ich mich prompt für eine Exkursion in die Moskauer Innenstadt verabrede.
Nach einigen Verzögerungen aufgrund einer auf polnischer Sete besonders ausgeprägten schlaflosen Nacht und der daraus resultierenden Unpünktlichkeit am folgenden Morgen sitzen wir schließlich in der U-Bahn. Besonders interessiert mich, was sich inzwischen angesichts des heutigen Osterfestes, dass mir am Freitag unsere Bustourleiterin so vielversprechend angekündigt hat, in der Stadt verändert hat. Und tatsächlich. Das, was sich am Freitag noch im Aufbau befand und die ersten Anzeichen des Osterschmucks erkennen ließ, war inzwischen ergänzt und vervollständigt worden.

Riesige Eier, Graseichhörnchen, ein Ostermarkt… An all dem schlängeln wir uns am Sonntag hindurch, um für mich nun zum zweiten Mal auf dem roten Platz zu landen. Die Schlange vor dem Mausoleum, in dem wir den toten Körper Lenins betrachten können, bewegt sich schneller fort, als vermutet, wobei uns auch während des Wartens nicht langweilig wird, da wir uns über polnisches bzw. deutsches Essen austauschen und Architekturstile in Polen und Russland vergleichen.
Während sich die anderen zu den Touristen in der Schlange des Kremls gesellen, erkunde ich die umliegenden Straßen, laufe über den Ostermarkt, untersuche das Kaufhaus genauer und entdecke ein futuristisch wirkendes Gelände hinter dem roten Platz. In ein Media Center und ein Nature Center trete ich ein, wobei ich in ersterem eine kostenlose Ausstellung zu Architekturkonzepten der Zukunft finde. Im zweiten Zentrum entdecke ich eine gläserne Gewächshaustreppe und aufgrund des Feiertages singt sogar ein Mann begleitet von einem Klavier im Café des Centers. Nach einigen Takten verlasse ich das Gebäude und genieße den Blick vom sich auf dem Gelände befindenden Aussichtspunkt aus.

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Nachdem ich schließlich die Kreml-Mauern zur Hälfte umrundet und den Blick auf den Fluss Moskau mit den an das andere Ufer angrenzenden architektonisch interessanten Gebäuden bestaunt habe, treffe ich wieder auf die polnische Gruppe. Gemeinsam unternehmen wir noch eine U-Bahn-Station-Entdeckungstour bei der wir von bunten Fenstern über Marmorwände bis hin zu Gemälden den Einfallsreichtum betreffend der Gestaltung der U-Bahnstationen bewundern können.

 

Zurück nach China – Ganz schön knapp
Es ist 18 Uhr. Eigentlich sollte jetzt das Taxi vorfahren, das uns an den Flughafen bringen wird. Eigentlich. Denn momentan sitze ich noch bei dem polnischen Mädchen im Zimmer und blicke auf die Uhr. Um 18:15 kündigt sie mir schließlich an, in zehn Minuten fertig zu sein. Als ich zum restlichen polnischen Team hinzustoße, sieht es dort nicht besser aus. Die Jungs sind dabei, das Chaos der vergangenen Tage und Nächte aufzuräumen. Es zieht sich. Eigentlich dachte ich, wenn ich mit einem Team, das 45 Minuten vor mir abfliegt, gemeinsam ein Taxi zum Flughafen nehme, sei ich auf der sicheren Seite. Doch so langsam stehe auch ich etwas unter Zeitdruck. Schließlich habe ich mich beim Hinflug bereits drei Stunden vor Abflug am chinesischen Flughafen eingefunden.
Eine Stunde und 40 Minuten, bevor mein Flugzeug in die Lüfte abhebt, treffe ich schließlich am Flughafen ein. Einchecken hat online noch nicht funktioniert, sodass ich bete, nun keine Schwierigkeiten zu bekommen. Und tatsächlich. Auch wenn sich der Mann am Schalter irgendwie über meinen Pass und meine gebuchten Flugtickets wundert, akzeptiert er schließlich mein Gepäck und händigt mir den Bording-Pass aus, nachdem er sich mit einem Kollegen ausgetauscht hat.
Die Dame am Schalter zur Passkontrolle blickt mich kurz mit hochgezogenen Augenbraun an, als sie das Ausweisfoto mit meinem Gesicht vergleicht, sie lächelt und redet irgendetwas auf Russisch zu ihrer Kollegin. Was ist denn heute los? Muss jeder, der mich sieht, gleich seine Kollegen miteinbeziehen? Doch ihr Lächeln und der freundliche Gesichtsausdruck beruhigen mich und tatsächlich bekomme ich wenig später meine Reisedokumente zurück und ich kann endlich durch die Handgepäckkontrolle, bevor ich zufrieden an mein Gate stapfe. Jetzt kann ich nur noch die Daumen drücken, dass auch das polnische Team den Flug noch irgendwie bekommen hat.

Wetterumstellung
Tatsächlich erwischte mich in Moskau nicht unbedingt ein Kälteschock. Zwar war ich doch besonders am ersten Abend sehr froh darüber, Handschuhe und Schal eingepackt zu haben, in den folgenden Tagen, brauchte ich diese aber kaum. In den Dormetories – sowie in ganz Russland, wie ich nach einigen Gesprächen mit Einheimischen herausfand – scheint man stets zentral und unregulierbar zu heizen. Entweder an oder aus, sodass wir keinerlei Chance hatten, die Temperatur in unseren Räumen unserem persönlichen Empfinden anzupassen – und mit der voreingestellten Temperatur konnte man wirklich im T-Shirt am Tisch sitzen, ohne dass sich eine Gänsehaut bildete. Lüften war fast dauerhaft angesagt – wir heizten also die Umwelt. Da finde ich die chinesische Herangehensweise einfach nie zu heizen, und sich stattdessen einfach wärmer anzusehen deutlich lobenswerter.
Die kühle Luft, die man auf den kurzen Wegen zwischen Schlafraum, Buffet und Fighting Räumen einatmen konnte, war wirklich als angenehme Abkühlung zu genießen. Nur an den Ausflugstagen froren meine Beine doch ein wenig ein, aber dank der wärmenden Sonne war das gut ertragbar.

27°C – so sagt es die Stewardess an, kurz bevor die Reifen des Flugzeugs mit chongqinger Boden in Berührung treten. O.k. Das ist nun doch ein großer Unterschied. Ich ziehe also meinen Pulli aus und steige in einem China aus, in dem der jackenlose Frühling so richtig zu begonnen haben scheint. Viel stärker als der Temperaturunterschied, wirkt auf meine Haut jedoch die Luftfeuchte. Während es in Russland enorm trocken war, trete ich beim Verlassen des Flugzeugs wieder in eine stehende Wand aus Flüssigkeitstropfen. Doch wenn ich ehrlich bin, tut mir zu feuchte Luft irgendwie besser als zu trockene.

Was bleibt…?
Insgesamt wurden in dieser Woche nicht nur die Physikkenntnisse der Teilnehmer gefördert. Auch das Präsentieren vor Anderen, das konstruktive Kritisieren und Diskutieren wurde geübt und das Trauen, spontan vor anderen Menschen zu reden. Außerdem kennen sich alle Teilnehmer nun etwas besser in der russischen Hauptstadt aus, haben das moskauer Wetter im April sowie das Leben als russischer Student miterlebt und nicht zu vergessen – ganz viel Spaß innerhalb der letzten acht Tage gehabt. Ob ich nun tatsächlich Physik studieren möchte? Entschieden ist das noch nicht.

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