Von heißen Brühen und Tee – Essen Teil II

DIE WARMHALTETECHNIK
Daneben, dass Chinesen nur heißes Wasser zu sich nehmen, lieben sie auch warmes Essen. Am besten soll es drei Mal am Tag warm sein. Und – am besten sollte auch am Ende einer Mahlzeit der letzte Bissen noch nicht auf Raumtemperatur abgekühlt sein. Wie kann man das erreichen? Indem man alles in eine Brühe wirft. Und so machen es auch viele Chinesen. Egal ob Nudeln oder Reis – fast alles wird von einer heißen Brühe umgeben. Flüssigkeiten geben Wärmeenergie bekanntlicherweise deutlich langsamer an die Umgebung ab, als Feststoffe, sodass das Essen wirklich enorm lange heiß bleibt – wie aber kann man die heißen Lebensmittel nun zu sich nehmen, ohne sich gleich beim ersten Bissen den Mund zu verbrennen? Oder haben die Bewohner Chongqings etwa nicht nur schärfe- sondern auch hitzeresistente Münder entwickelt, sodass dies ihnen auch nichts ausmacht? Tatsächlich gibt es zwei Methoden, um das Hitzeproblem zu umgehen: Man überlegt sich, was man in zwei Minuten essen möchte und lädt dies auf seine Stäbchen. Diese hält man nun samt aufgeschaufelter Nahrung in die Luft und wartet, bis es dort abgekühlt ist. Alternative: In vielen, besonders in Nudelrestaurants lässt sich in der Schüssel ein großer Löffel finden. Man nimmt sich also eine Portion Nudeln, lädt diese auf den Löffel, den man wenige Zentimeter über der heißen Brühe platziert. Die Nudeln auf dem Löffel können dann kurze Zeit später wieder auf die Stäbchen geladen und von diesen aus in den Mund befördert werden.
TRINKEN
Mit dem Brühenthema ist auch gleich das Trinken verbunden. In China wird man auffällig selten gefragt, was man trinken möchte. Inzwischen haben zwar auch Softdrinks Einzug in das Leben der Menschen gefunden und es besteht eine Übersetzung von Cola in chinesische Schriftzeichen, aber immer noch trinken die Chinesen meist entweder heißes Wasser oder Tee. Dies aber so gut wie nie zu Essenszeiten. Eher selten sieht man Becher und Tee auf den Tischen in Restaurants bereitstehen und bei mir zu Hause in der Gastfamilie bin ich stets die Einzige, die sich ein Glas neben den Teller stellt. Stattdessen lieben es die Chinesen ihre Ölwassersuppen zu trinken – auch wenn ich wirklich gerne Suppen zu mir nehme, werde ich mich an diesen verölten – und im schlimmsten Fall noch zuvor mit Fleisch in Kontakt gekommenen – Sud nie gewöhnen, sodass ich ihn stets stehenlasse und auf mein Glas Wasser zurückgreife.


TEE
Tatsächlich spielt in den meisten Haushalten Tee gar nicht die Rolle, die einem als Ausländer stets vorschwebt. Eher die Angehörigen der älteren Generationen leben mit ihrer fast angewachsenen Teetasse, die sie kaum aus der Hand nehmen und in der sie die Teeblätter etwa 100 Mal mit frischem heißen Wasser aufschütten, bevor diese erneuert werden. Die Jungen bevorzugen eher reines heißes Wasser – oder tlw. wie gesagt auch die neuaufkommenden Softdrinks. Teezeremonien, die an vielen Touristenorten oder in Teeverkaufsgeschäften durchgeführt werden, sind zwar eindrucksvoll, entsprechen aber nicht dem Alltag chinesischer Familien.
Möchte man Tee trinken, so wird man diesen dennoch sicher in jeder Familie erhalten und dieser schmeckt auch sehr lecker. In der Regel wird er nicht in Teebeuteln zubereitet. Stattdessen werden die Blätter einfach in ein Glas geworfen und mit Wasser aufgeschüttet – möchte man also keine Teeblätter im Mund zerkauen oder sie direkt ausspucken müssen, muss man recht schnell eine Methode entwickeln, zu trinken ohne die Blätter mit in den Mund zu gießen. Besonders interessant für mich sind die Früchtetees. Während ich Beutelfrüchtetees nicht leiden kann, schmecken mir die Tees, die hier mit Blüten oder Beeren, die direkt ins Wasser hineingeworfen werden, sehr gut. So sieht man nicht selten Minirosen oder Gojibeeren sowie Dattelhälften in Teegläsern schwimmen.

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