Von heißen Sommern und Klimaanlagen auf Hochtouren – Das Wetter in Chongqing

Klitschnass komme ich an der Haustüre an. Schnell wische ich über den Minibildschirm des Schlosses an der Haustüre und gebe den Geheimcode ein. Ein kurzes Klicken und schon stürme ich nach einer kurzen Unterbrechung aufgrund der begeisterten Begrüßung des Hundes in die Wohnung und auf geradem Weg in mein Zimmer. Schnell werfe ich mir einen Pulli über und schlüpfe in meine Jogginghose. Meine Haare kommen nach einem schnellen Abtrocknen erst einmal unter eine Mütze, denn bei den 15°C, die es draußen und somit auch in der Wohnung hat, bin ich doch lieber vorsichtig. Schon wieder hat es mich erwischt und ich sehe die Warnungen der Einheimischen bestätigt: Es kann häufiger zu plötzlichen Starkregenfällen kommen. Ja, das war nun bereits der dritte, seitdem ich mich hier in China aufhalte. Das blöde daran: bei diesen Regentropfen hilft auch der Regenschirm nicht mehr viel. Besonders die Socken werden nass, da das Wasser in dem lückenlos von Asphalt bedeckten Untergrund der Stadt kaum ablaufen kann und sich daher überall riesige Pfützen bilden.

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Einen Monat später, Mitte April komme ich erneut klatschnass nach Hause. Auch wenn man an diesem Tag wieder zahlreiche Menschen mit Schirmen in der Hand umherlaufen sieht, kommt meine Nässe nicht von oben, sondern es handelt sich um Schweiß und die Schirme sind von Regen- in Sonnenschirme umfunktioniert worden. Ja, ihr vermutet richtig: Die angekündigten 45°C, die das Thermometer hier im Sommer hochklettern soll schicken schon jetzt ihre Vorboten. Gerade als ich am 09.04 aus Russland einfliege, schwärmt die Stewardessstimme bereits von den 27°C Außentemperatur. Na, das kann ja heiter werden. Die Jacken und Pullover, die ich mir vor meinem Moskauaufenthalt auch in China ab und an übergeworfen habe und die besonders in den frühen Morgenstunden auch von Nöten war, kann ich endgültig in meinem Schrank hängen lassen. Die Luft, die ich bereits an meinen ersten Tagen in Chongqing als unheimlich feucht empfunden habe, schlägt mir beim Austritt aus der Flughafenhalle, noch stärker ins Gesicht. Es fühlt sich fast an, wie eine Riesensaune, nur dass es noch nicht ganz so heiß ist – aber ab Anfang Juni ist auch dieses Kriterium erfüllt, wie mir von den Einheimischen versprochen wird.

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Auch Nebel gibt es in Chongqing auffällig häufig. Nicht selten kann ich beim Blick aus dem Fenster kurz nach dem Aufstehen die Hochhäuser auf der anderen Seite des Yangze-Rivers nicht sehen. Und das will etwas heißen.
Die Feuchtigkeitströpfchen, die in der Luft hängen vermischen sich augenblicklich mit dem Schweißfilm auf der Haut. O.k. Ich verstehe, dass die Menschen immer davon erzählen, sich hier im Sommer zwei Mal am Tag unter die Dusche zu stellen. Aber immerhin scheint es in allen Gebäuden, sowie in den Bahnen und Bussen ausreichend Klimaanagen zu geben, sodass es sicher aushaltbar wird. Nur auf meinem zwanzig Minuten Fußweg zur Bahn werde ich das Atmen in dieser unglaublich humiden Luft, noch lernen müssen.
Glücklich bin ich aber trotzdem darüber, nicht im Winter angereist zu sein. Denn so viele Klimaanlagen die chinesische Bevölkerung auch besitzt, so wenige Heizungen weist sie auf. Während in Russland aufgrund der Zentralheizungen also im Winter eine Differenz von fast 30°C zwischen Innen und Außen herrscht (siehe Artikel:…LINK) und man der kalten Luft draußen recht dankbar ist, wenn man vor die Tür tritt, passt man sich in China eben mit Pullis und Jacken an. Tendenziell gefällt mir diese Strategie besonders aufgrund der Umweltschonung deutlich besser. Doch ich muss aus Erfahrung in den ersten Tagen zugeben: Wenn es zu eisig ist, wünscht man sich doch, sich wenigstens ab und an irgendwo etwas aufwärmen zu können – und ich bekam nur die +10°C innen und außen mit. Wie muss es hier denn sein, wenn es -10°C gibt? Theoretisch können an diesen Tagen die Klimaanlagen auch zu kleinen Heizkörperm umfunktioniert werden – dies aber ist noch umweltschädlicher als richtige Heizungen zu verwenden – und es wird auch nur regional in einigen Dörfern oder Stadtgebieten angewandt. In der Geburtsstadt meiner Gasteltern beispielsweise ist es durchaus üblich, die Innentemperaturen in die Höhe zu treiben, hier in Chongqing wird das kaum gemacht.
Nun ja. Jetzt genieße ich erst einmal den Frühling, nutze diese Periode um meine Hitzeregulation zu trainieren und bin gespannt, wie es mir in einigen Monaten im Hochsommer ergehen wird.

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